Ein Blick in die Geschichte des Westumer Backes

„Auferstanden aus Ruinen...“ - hier trifft es wirklich zu. Denn wer hätte sich träumen lassen, dass aus diesem verfallenen, eigentlich abbruchreifen Gebäude ein solches Kleinod entstehen würde? Die Rede ist vom „Westumer Backes“, dem Haus, das inzwischen zu einem Schmuckstück des Ortes wurde.

Wenn es erzählen könnte, würden wir erfahren, dass es 1855 erbaut wurde, nachdem es bereits zwei frühere Backhäuser an anderen Plätzen im Dorf gegeben hatte. Im neuen Backhaus waren (und sind heute auch noch) zwei Tuffsteinöfen für je 50 Brote a fünf Pfund. In diesem Backes wurde bis 1958 gebacken, und zwar nicht nur Brot, sondern auch - besonders vor den Kirmestagen - Kuchen in Mengen. Dann gingen im wahrsten Sinne des Wortes „die Öfen aus“.
Das Haus hat einiges mitgemacht, diente es doch viele Jahre als Kindergarten und in den Zeiten nach dem Krieg als Notunterkunft für Flüchtlinge. Seine letzte Funktion hatte es als Umkleideraum für Besucher des angrenzenden Westumer Schwimmbads. Und als dieses dann 1991 schloss, wurde das Backhaus gar nicht mehr genutzt und seinem Schicksal überlassen. Das Gebäude verfiel und verwahrloste mehr und mehr. Der Abriss war schon fast beschlossene Sache. Da fanden sich 1998 trotz großer Skepsis und trotz Widerständen seitens einiger Teile der Bevölkerung 12 Bürger und gründeten den Westumer Backesverein. Inzwischen ist die Mitgliederzahl des als gemeinnützig anerkannten „Fördervereins Westumer Backes e.V.“ auf 80 angewachsen. Sie setz(t)en sich zum Ziel, das Backesgebäude zu restaurieren, seinen regionaltypischen Charakter zu erhalten und das Haus mit Liebe zum Detail seiner ursprünglichen Bestimmung, dem gemeinschaftlichen Brotbacken, wieder zuzuführen.

Und das kostete viel Arbeit und viel Geld. Das Haus wurde komplett entkernt, das Dach total erneuert, Ringanker und Balkengelage eingezogen, die Kamine neu gemauert, die Bruchsteinmauern ausgebessert und stilechte Fenster eingesetzt. Im Inneren wurden neue Türen, eine Eichentreppe und eine moderne Toilettenanlage eingebaut. Im Backesraum gibt es einen Natursteinboden aus Ahrbruchplatten, der Wirkraum ist gefliest und komplett eingerichtet.

Eine „Anschubfinanzierung“ kam von der Stadt Sinzig als Eigentümerin, das Land Rheinland-Pfalz stellte Mittel aus dem Dorferneuerungsprogramm zur Verfügung, Banken, Betriebe und Privatpersonen halfen mit Spenden. Den nicht geringen Rest und die komplette Ausführung der Arbeiten übernahm der Backesverein. Hier sind besonders die Mitglieder Heribert Hillger und Klaus Hahn zu erwähnen, die mit unermüdlichem Einsatz für „ihr“ Backes tätig waren und sind. Die durch die Renovierung hervorgerufene Sogwirkung beschleunigte auch die Umgestaltung des ehemaligen Schwimmbadgeländes und somit den Ausbau der Sternstraße.

Dank der vielen unentgeltlichen Arbeitsstunden war das Backes an Pfingsten 2005 so weit, dass es der breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden konnte. Inzwischen wurde bereits auf historische Art und Weise gebacken (es gab vorher schon „Unterricht“ in Löhndorf). In dem rustikalen, gemütlichen Raum im Obergeschoss fanden bereits kulturelle Veranstaltungen statt. So lud beispielsweise die Katholische Erwachsenenbildung der Pfarrei St. Peter Westum zu Konzerten und Lesungen in diesem ansprechenden Ambiente ein.

An Pfingsten waren Alle herzlich eingeladen, das Backhaus und seine neu gestaltete Umgebung zu besuchen und es sich dort gut gehen zu lassen. Der Backesverein hatte ein Programm auf die Beine gestellt, das sich sehen lassen konnte. Am Sonntag, 15. Mai 2005, nach dem Pfingst-Hochamt, segnete Pastor Manfred Müller im Rahmen eines Festaktes das Gebäude, denn wie heißt es in dem alten Spruch: „Ohn' Gottes Gunst ist all Bauen umsunst!“